INFO 655

Personalvertretung gründen!
& “Neue Besen …”

Liebe Kolleg*innen,

vielen Dank für die vielen Rückmeldungen zur vorigen INFO * über den Umgang mit der Verwaltungssoftware!
Selbstverständlich ist es schwierig, als einzelne Lehrkraft gegen quasi eingebürgerte Traditionen vorzugehen – auch wenn sie dienstrechtlich fragwürdig und datenschutzrechtlich bedenklich sind (wie die Forderung, unvergütet auf privaten Geräten Schülerstammdaten zu verwalten).
Solche Verhandlungen zu führen, ist eine geradezu klassische Aufgabe für eine Personalvertretung, die demokratisch gewählt das gesamte Kollegium vertritt und für die Ausübung ihrer Interessensvertretungstätigkeit kündigungsgeschützt ist.

Daher sollte es in jeder Musikschule eine Personalvertretung geben! –
Gibt es (noch) nicht? –
Hier die Anleitung, wie man eine gründet:

Personalvertretung gründen für Musikschullehrer leicht gemacht
https://infonetzwerk.oberwalder.info/wp-content/uploads/2023/11/PV-Info-Wahlen-2024.pdf
Vorsicht: Die Wahlkalender-Daten darin sind von der letzten Personalvertretungswahl 2024. Auch den Musikschulausschuss gibt es nicht mehr. Martina Glatz steht trotzdem noch für Auskünfte zur Verfügung, nur mittlerweile unter folgender Nummer: +43 699 12101502

* INFO 654:
Finger weg von Musikschulverwaltung auf privaten Geräten!
https://infonetzwerk.oberwalder.info/2026/08/info-654/

Apropos Martina Glatz: Anbei / Nachfolgend ein Appell der ehemaligen Musikschulausschuss-Vorsitzenden und unserem Infonetzwerk-Team-Mitglied zu einem achtsamen und motivierenden Umgang mit den Musikschul-Zusammenlegungen.

ANHANG: “Neue_Besen” (PDF)
https://infonetzwerk.oberwalder.info/wp-content/uploads/2026/08/Neue_Besen.pdf

Neue Besen können gut kehren,
aber sie dürfen nicht alles wegwischen!

(Martina Glatz, August 2026)

Die große Stärke unserer Arbeit besteht darin, dass wir individuell auf unsere Schüler eingehen können. Dazu brauchen wir aber auch Gestaltungsspielraum und individuelle Methoden. Die meisten Lehrkräfte haben nicht nur ausgeprägte pädagogische Konzepte für ihren Unterricht, sondern auch verschiedene Zugänge zur organisatorischen Vorgehensweise und zur Öffentlichkeitsarbeit der Musikschule. Unsere gesamte Tätigkeit beruht zu einem hohen Anteil auf Eigeninitiative, zudem fast immer gepaart mit überdurchschnittlichem Engagement, unbezahlten Überstunden, privat bereitgestellten Lehrmitteln etc. Nicht nur verschiedene Instrumente bzw. Unterrichtsfächer erfordern mitunter unterschiedliche Arten der Vorbereitung von Veranstaltungen oder Werbemaßnahmen, auch in den einzelnen Musikschulen haben sich über die Jahre sehr verschiedene Gepflogenheiten herausgebildet, je nach Region und Zielpublikum vielleicht auch unterschiedliche Herangehensweisen bewährt.

Nun treffen mit den Zusammenlegungen vieler Musikschulen womöglich Welten aufeinander, in denen nicht nur Tarife abgestimmt werden müssen, sondern auch viele andere Problemfelder entstehen können. Ich habe in meinen Jahren als Interessenvertreterin so viele Konflikte erlebt, die allein nur durch Leitungswechsel entstanden sind. Ich kann daher allen Beteiligten nur gratulieren, wenn sie es schaffen, riesige Musikschulverbände möglichst reibungslos zusammenzuführen. Vor allem aber kann ich allen Leitungen nur danken, die ihre Funktion mit Wertschätzung, Achtsamkeit und Gelassenheit ausüben und die angesichts der aktuellen Herausforderungen ihre Lehrkräfte und Standorte zunächst weiterarbeiten lassen und die Arbeitsweise ihrer Teams zuerst kennenlernen und anerkennen, bevor sie allfällige eigene Vorstellungen einbringen.

Ob man etwa ein Weihnachtskonzert oder ein Faschingskonzert veranstaltet, bringt nicht nur ein anderes Repertoire an Musikstücken mit sich, das womöglich für Ensembles erst aufwändig arrangiert werden muss. Es kann auch den gesamten Jahresablauf durcheinanderbringen, wenn beispielsweise die neue Faschingsveranstaltung plötzlich mit den Proben für prima la musica zusammenfällt, für die man nach den Adventkonzerten bisher genügend Vorlaufzeit hatte. Und wer ein neues Faschingskonzert einführt, ohne dass die Veranstaltungen in der Weihnachtszeit weniger werden, sollte sich dessen bewusst sein, dass die beteiligten Lehrkräfte – und meist auch die einsetzbaren Schüler und ihre Eltern – schon bisher ausreichend beschäftigt waren und zusätzliche Aufgaben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu (noch mehr) unbezahlten Überstunden führen. Angesichts der eklatanten Vergrößerungen der meisten Musikschulen liegt die Gefahr einer Zunahme der Arbeitsbelastung geradezu in der Natur der Sache.

Die meisten Schwierigkeiten entstehen gar nicht aus rein organisatorischen Veränderungen. In den Fällen meiner Interessenvertretungs-Tätigkeit hatte ich es ganz oft mit ursprünglich hochmotivierten und idealistischen Kolleginnen und Kollegen zu tun, die gekränkt und in weiterer Folge demoralisiert waren, weil das Einführen neuer Veranstaltungen, Projekte etc. ihnen das Gefühl gegeben hat, ihre bisherige Arbeit sei nichts mehr wert oder nicht gut genug. Dabei waren die neuen Leitungen, die neue Dinge eingebracht haben – oder sich womöglich auch verpflichtet gefühlt haben, Vorgaben der Dienstgeberseite oder der Landespolitik gerecht zu werden – bestimmt ebenfalls sehr engagiert und wollten nur das Beste. Es ist nur wichtig, vor lauter Eifer beim Umsetzen von Vorgaben und vor lauter Begeisterung für die eigenen Ideen nicht zu übersehen, wie viel Wertschöpfung bereits vorhanden ist, wie viel Aufbauarbeit bereits geleistet wurde und wie viel Herzblut darin steckt. Wenn sich neue Modalitäten – womöglich unbeabsichtigt – mit dem Beigeschmack präsentieren: “Jetzt machen wir’s ordentlich!”, sind die engagiertesten Lehrkräfte meist die ersten, die daran zerbrechen. In der jetzigen Situation, in der viele Leitungsposten ‘eingespart’ wurden, ist das Potential für derartige Kränkungen noch höher.

Wir sind als Pädagogen alle darin geschult, unsere Schüler “abzuholen, wo sie stehen”. Holen wir als Lehrkräfte auch unsere Kolleginnen und Kollegen ab und als Leitungen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, passen wir aufeinander auf, beziehen wir einander ein, führen wir unsere Arbeitsweisen in gegenseitigem Respekt und Verständnis zusammen, entwickeln wir allfällige neue Prozedere miteinander und/oder lassen wir einander wie gewohnt weiterarbeiten. Machen wir gemeinsam das Beste aus den Herausforderungen, die uns die Musikschul-Politik eingebrockt hat!

Einen guten Start und eine gute Zusammenarbeit!

Alles Gute! Martina Glatz
(ehem. Musikschulausschuss-Vorsitzende)
martina.isabel.glatz@gmail.com | +43 699 12101502

Infonetzwerk NÖ Musikschullehrer/innen
www.noe-musikschulinfo.net
noe-mslehrer@gmx.at

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